Friday, 2. july 2010 5 02 /07 /Juli /2010 16:12

Trotz der weltweiten Euphorie bezüglich der Fußballweltmeisterschaft sollte man nicht die vergessen, die keine Wohnung haben, keine Kleidung, nichts zu Essen und keinerlei medizinische Versorgung. Und gerade in Südarikas so genannten Townships, die Menschen leben hier immer noch am Rande, sowohl räumlich als auch existenziell. Schöne, neue Fußballstadien, alles Geglitzer und Bling Bling mag für eine Weile darüber hinwegtäuschen, aber Verschweigen und Darüberhinwegsehen macht nicht ungeschehen, höchstens vergessen. Und das Schlimmste, was passieren kann, ist, das Leid anderer Menschen einfach so zu "vergessen".

 

Ich bin selbst Fan der WM und freue mich schon auf das morgige Spiel. Aber ich vergesse dabei nicht, dass derzeit in Südafrika Winter ist, dass viele ihre erbärmlichen Hütten nicht einmal wärmen können. Und dieses ist nur ein Teil dieser Welt, in welcher so viel Leid und Elend herrschen. Natürlich kann ein einzelner oder eine einzelne die Welt nicht verbessern. In jüngeren Jahren dachte ich dieses immer, mittlerweile ist mir klar, dass dem nicht so ist.

 

Dennoch kann, will und werde ich die Hoffnung nicht aufgeben. Denn es zählt jeder Mensch, egal in welchem Land, dem geholfen wird. Und wenn viele einzelne im Kleinen helfen, so, wie sie eben die Möglichkeit haben, kann daraus irgendwann doch ein Großes entstehen.

 

Bei Ereignissen wie Weltmeisterschaften rücken Menschen, rücken die Nationen auch zusammen. Also sollten sie dieses auch in anderer Hinsicht tun, und nicht nur im Rahmen eines freudigen Ereignisses.

 

Dieses mag vielleicht für andere kitschig klingen, damit kann ich aber leben.

von supergau
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Thursday, 1. july 2010 4 01 /07 /Juli /2010 16:34

Nein, dieses ist ganz gewiss weder meine eigene Einstellung noch eine meiner Wortkreationen, sondern ein Filmtitel. Ein alter Schwarz-Weiß-Film, in welchem James Stewart den Hauptdarsteller mimt.

 

Ort der Handlung ist ein verschlafenes Nest mit dem hübsch und gemütlich klingenden Namen "Bedford Falls", Zeitpunkt ist der Weihnachtsabend. Doch so verschlafen wie diese Kleinstadt ist, so gläubig sind auch ihre Einwohner, denn aus den Häusern sind inständige Gebete wahrzunehmen, dass Gott doch George Bailey beistehen möge. Wie nun manches fast Unmögliche in Filmen möglich wird, wird diesem auch hier Rechnung gezollt, denn zwei himmlische Kräfte, welche durch zwei Galaxien, welche sich unterhalten, schnappen diese tiefgläubigen und flehenden Worte auf und fangen an, sich gemeinsam zu beraten, was zu tun sei. Die erste wichtige Maßnahme ist: es muss unbedingt ein Engel her. Da gibt es einen, doch der ist ziemlich tollpatschig, flügellos und trägt den Namen Clarence. Er tümpelt zunächst noch als hellleuchtender Stern durch die Galaxien, doch dann tritt man mit einer Aufgabe an ihn heran, für welche ihm lediglich eine Stunde Zeit bleibt, um sich derer auch anzunehmen. Doch bevorher zur Handlung überschreiten kann, muss er genauestens über das Leben George Baileys aufgeklärt werden, denn wie sonst könnte er ihm anders helfen?

 

Dann beginnt der eigentliche Film. Bailey brilliert bereits in früher Kindheit mit Erstaunlichem, das wichtigste Ereignis dürfte gewesen sein, dass er seinem jüngeren Bruder Harry das Leben rettet. Dieser war im Eis eingebrochen, George verlor sein Hörvermögen auf seinem linken Ohr.

 

Als junger Erwachsener arbeitet Bailey im Büro seines Vaters. Beide verhelfen ärmeren Bürgern in Form  von Darlehen zum Traum vom eigenen Häuschen. Aber eines Tages möchte Bailey endlich seine Heimat verlassen, um ein Studium aufzunehmen. Vor der Abreise besucht er die Abschlussfeier seines Bruders Harry und trifft dort Mary Hatch, eine bis dahin alte Bekannte, wieder. Sie kommen sich näher und flirten, was das Zeug hält. Im Stadium der liebestollsten Euphorie wird George von einem Bekannten die Nachricht übermittelt, dass sein Vater einen Schlaganfall erlitten habe. Am Tag darauf stirbt sein geliebter Vater. Da er der Präsident der "Building And Loan", der ortsansässigen Bausparkasse, war, beruft der Vorstand eine Sitzung ein und beschließt das Fortbestehen der Bank mit George Bailay als Präsidenten. George bringt schweren Herzen das Opfer und statt seiner geht nun Bruder Harry studieren.

 

Die folgenden Jahre verlaufen recht unspektakulär, Harry kehrt irgendwann verheiratet zurück und George heiratet Mary, Kinder vervollständigen der beiden Glückseligkeit. Doch dann naht die Wirtschaftskrise, von welcher auch "Building and Loan" betroffen ist. Im Flug verbreiten sich Gerüchte, die Bank stünde kurz vor dem Bankrott. Aufgrund dessen fordern sämtliche Anleger ihr Geld zurück´mit der Drohung, dass sie anderenfalls ihre Anlageaktien an den reichsten und profitgierigsten Mann der Stadt, Mr. Potter, verkaufen würden. Genau dieses war immer Mr. Potters Ziel und würde dieser Fall eintreten, hätte er die Bank "geschluckt". Also bleibt George nichts anderes übrig, als dem Vorschlag seiner Frau Mary nachzugeben und sein eigenes Kapital anzugreifen. Hierdurch müssen beide auch auf eine Hochzeitsreise verzichten. Die Bank konnte gerettet werden.

 

Es gehen viele Jahre ins Land, und inzwischen Leben George und Mary mit ihren vier Kindern in einem alten Haus, welches Mary eigens für ihre Lieben hergerichtet hat. In den Jahren ereignet sich sehr vieles, wie auch der Zweite Weltkrieg, aus welchem auf allen Seiten Verlierer und Gewinner, Täter und Opfer, hervorgehen. Dann kommt der 24. Dezember, Heiligabend. An disem Abend geschieht George ein Missgeschick, welches ihn endgültig am Sinn seines eigenen Lebens zweifeln lässt und ihn sogar fast zum Selbstmord treibt. Der stets etwas verwirrte Onkel Billy soll zur Einzahlung 8000 Dollar zu Bank bringen, verliert das Geld jedoch, und dieses ausgerechnet noch vor den Augen des gierigen und hartherzigen Mister Potters. Denn dieser steckt das gefundene Geldbündel ein und behält es für sich. Infolge dessen, dass die Rechnung nicht gezahlt werden kann, droht der "Building And Loan" das endgültige Aus. Hinzu kommt, dass sich ausgerechnet noch für diesen Tag ein Bankprüfer angemeldet hat.

 

George ist somit am Tiefpunkt seiner Existenz angekommen und geht noch am selben Abend völlig verzweifelt zu Mister Potter und bittet ihn um das Geld, um die Bank zu retten. Als Sicherheit bietet er Potter seine Lebensversicherung an. Auf diese sind jedoch lediglich 500 Dollar eingezahlt. Auf seine gewohnte unhöfliche und schroffe Art weist Potter ihn mit den Worten: "Sie sind ja tot mehr wert als lebendig," ab. George ist zutiefst deprimiert und sucht die Bar Martinis auf. Dort sendet er einige Stoßgebete zu Gott, aber anstatt, dass sich alles noch einmal zum Guten wendet, schlägt ihn einen kurzen Moment später ein Mann nieder, dessen Frau George in seinem innerlichen aufgewühlten Zustand beleidigt hatte.

 

Auf dem Nachhauseweg fährt George gegen einen Baum, bleibt unverletzt und sucht eine nahe gelegene Brücke auf, von welcher er hinunter springen will. Doch im gleichen Moment fällt, wie aus dem Nichts, ein älterer Mann unter der Brücke in den Fluss. Der uneigennützige und stets nächstenliebende George rettet den alten Mann, welcher behauptet, er sei in Wahrheit der Schutzengel von George und dass nicht George ihn, sondern er eigentlich George gerettet hätte. "Ich bin die Antwort auf dein Gebet. Deshalb wurde ich runtergeschickt."  Natürlich schenkt George ihm zunächst nicht den geringsten Glauben und bereut sogar, dass er geboren wurde: "Ich wünschte, ich wär' nicht geboren."

 

Das waren wohl die richtigen Worte, denn Schutzengel Clarence erfüllt George diesen Wunsch und zeigt ihm haargenau auf, wie das Leben ausgesehen hätte, wenn es George nicht gegeben hätte: Mary, seine geliebte Ehefrau, wäre zu einer alten Jungfer geworfen und die vier gemeinsamen Kinder würden gar nicht existieren. Der frühere Chef von George, Mr. Gower, hätte zwanzig Jahre im Gefängnis absitzen müssen, da er versehentlich einem JJungen in die Tabletten Gift getan hat, was George verhinderte. Harry, sein Bruder, hätte als Soldat nicht so viele Leben retten können, da er, weil es George ja nie gegeben hätte, im Eis ertrunken wäre. Und ein Mädchen namens Violet verdient sich nun seinen Lebensunterhalt in einem billigen Striplokal, da es George, der ihr einmal mit Geld ausgeholfen hat, ja nicht gab.

 

Bedford Falls wäre aus einem Sumpf von Striplokalen und Spielhöllen verkommen, und  Bailey Park, ein Wohngebiet, welches George für arme Leute gegründet hatte, würde nicht existieren.

 

Als George dies alles sieht, wird ihm einiges bewusst und somit bereut er seinen Wunsch, und will wieder zurück ins Leben. Hiermit ist es Clarence, dem Engel, gelungen, seine Aufgabe zu erfüllen und er stellt den ursprünglichen Zustand wieder her. Plötzlich ist George glücklich und euphorisch, reut sich über seine zurück gewonnene Existenz und dass alles wieder so ist, wie es war. Er kehrt zu seiner besorgten Familie zurück und wünscht auf dem Nachhauseweg allen Bewohnern "fröhliche Weihnachten".

 

Zuhause angekommen, wartet auf ihn die nächste Überraschung: Alle Verwandten und Freunde haben sich zusammen getan, um Bailey das benötigte Geld zu spenden.

 

Als ein Glöckchen klingelt, erinnert Georges kleine Tochter Zuzu: "Und jedes Mal, wenn ein Glöckchen klingelt, bekommt ein Engel seine Flügel." Dieses bedeutet für George, dass Engel Clarance seine Arbeit getan hat, verschwunden ist und die ersehnten Flügel endlich erhalten hat.

 

 

 

So viel zum Inhalt dieses Films. Warum ich darauf komme, dieses hier zu schreiben?

Nun, ess hat eine merkwürdige Bewandnis...

 

Im Jahr 2002 beging ich (nicht den ersten und nicht den letzten) Suizidversuch, dieser war "massiv", wie die "Leute vom Fach" immer wieder betonten. Ich wurde kurzerhand eingesperrt, was man einfach als "Selbstschutz" deklarierte. Vorneweg noch die Anmerkung: ich habe damals niemanderen tangiert, bedroht oder geschädigt. Das würde und werde ich niemals tun.

 

Also saß ich insgesamt zwei Monate meinen staatlich verordneten Zwangsurlaub ab und geriet in ein noch tieferes Loch. Als ich entlassen wurde, begann ich, mir nachts im Schlafzimmer das Fernsehen anzumachen, um mich zu beruhigen und besser schlafen zu können. Auch ich vertrat und vertrete genau die Meinung: "hätte es mich doch niemals gegeben, wäre ich doch niemals geboren worden." Ich hielt dieses meiner Mutter zigfach vor, auch mit teils recht bösen, auf mich bezogene, Worten. Eines nachts stand ich kurz davor, mir das Leben zu  nehmen. Ich bekam ja genügend Pillen verschrieben, die ich jedoch nie einnahm, sondern stets bunkerte, für den Notfall... Wieder kamen diese quälenden Gedanken, dass ohne mich alles besser sei. Ich will weg, nur noch weg, alle anderen von mir erlösen und mich selbst von mir erlösen und dieser Drang wurde immer stärker. Also legte ich mich zuerst einmal ins Bett, um noch einmal darüber nachzudenken und schaltete das Fernsehen ein. Und ich schaltete, ohne das Programm zu kennen, genau den Kanal ein, auf welchem mitten in der Nacht dieser Film lief: "Ist das Leben nicht schön?"

 

Am einprägsamsten war für mich die Szene, als George und Clarence über den Friedhof liefen und George plötzlich auf den Grabstein seines jüngeren Bruders Harry stieß. Er fragte Clarance, wie das möglich sei, es sei doch Quatsch, Harry sei doch am leben. Und Clarance antwortete ihm daraufhin, dass George noch nicht geboren wurde, also musste Harry eben als Kind ertrinken, weil es keinen großen Bruder gab, der ihn gerettet hätte.

 

In dieser Nacht wurde ich nachdenklich. Und irgendwoher kam dieser innere Frieden, welchen man bei einer solch fatalen inneren Zerrissenheit herbeisehnt. Ich schob meine Tabletten und mein Vorhaben bei Seite und konnte sogar schlafen.

 

Nicht, dass ich mittlerweile anders denke, ich bin immer noch der Meinung, dass diese Welt besser dran wäre, wenn meine Mutter sich ihr zweites Wunschkind verkniffen hätte. Aber andere Mensche, die mir lieb und wert sind, halte ich von solchen Gedanken und dem Tun ab, und erzähle ihnen auch gerne von dem Film und zeige ihnen Parallelen zu ihrem eigenen Leben auf. Und wenn es einer oder eine ist, den oder die ich hiervon abhalten kann, ist es mir alle Mühe wert.

 

 

 

 

 

von supergau - veröffentlicht in: Leben
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Tuesday, 6. january 2009 2 06 /01 /Jan. /2009 12:57
Neulich beim Einkauf

In der Nähe des Geschäftes, in welchem ich fast täglich einkaufe, befindet sich auch eine Wohnanlage für sehbehinderte/blinde Menschen. Aufgrund dessen wird dér Laden auch von ihnen häufig aufgesucht. Neulich war ich wieder einkaufen, war zufällig am Kühlregal, wo ebenfalls zwei blinde Frauen standen. Sie fragten die Verkäuferin, welche gerade das Regal am Auffüllen war, nach einem bestimmten Artikel und bekamen zur Antwort, sie sollten nachschauen, und wenn er dort nicht wäre, sei er eben momentan ausverkauft. Klasse. Wenn die beiden sehen könnten, wären sie nicht auf die Hilfe anderer angewiesen und eine - sorry - dämlichere Antwort hätte man nun wirklich nicht geben können, zumal die Verkäuferin seit Jahren dort arbeitet und eben auch diese Menschen seit Jahren kennt.

Ich weiß nicht, wieso sie derart abgeschmackt auf eine höfliche Frage bzw. Bitte reagiert hat. Anderweitig ist sie jedenfalls sehr gesprächig.

M.E. sind es Oberflächlichkeit und Desinteresse. Richtig hinsehen scheint schon problematisch, richtig zuhören scheinbar noch problematischer und menschlich handeln, hilfsbereit sein, ist anscheinend für viele gar nicht mehr machbar. Eigenes Ego? Was, wenn die Egos selbst in die Lage kommen und auf die Hilfe anderer angewiesen sind?

Muss ich alle Krankheiten selbst durchgemacht haben, um mich halbwegs in diese Menschen und ihre Probleme hineinversetzen und damit verstehen zu können? Ich nicht. Andere vielleicht.

Arme Gesellschaft. Denn solche und ähnliche Geschichten des Alltags spielen sich leider zu häufig ab.
von supergau - veröffentlicht in: Geschichten, die das Leben schreibt
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Tuesday, 6. january 2009 2 06 /01 /Jan. /2009 01:39

Mit Begriffen wie "Freundschaft" und "Liebe" gehe ich sehr sparsam um. Nicht jeder, den oder die ich kenne (wobei: kennt man sein Gegenüber wirklich?), bezeichne ich gleich und unbedacht als Freund oder Freundin.

Nun, wie ich in einem anderen Beitrag schrieb, lebe ich ziemlich zurückgezogen, und fühle mich dabei sogar wohl, weil ich mir das Alleinsein selbst ausgewählt habe.

Jedoch - aufgrund der Tatsache, dass ich praktisch keine Familie mehr habe, was mir sehr zu schaffen macht - sind Tage wie Weihnachten, Silvester, immer wieder folgende "Gedenktage" schlimme Tage. Es war dieses Jahr das zweite Weihnachten, ohne Familie. Allein. Bis auf meine beste Freundin, die diesen "Titel" mehr als verdient, denn sie war bisher die einzige, die mich so  nimmt, wie ich bin, und für manche meiner Verhaltensweisen Verständnis aufbringt, was auf Gegenseitigkeit beruht.

Und plötzlich gibt es da noch einen anderen Menschen. Einen Tag vor Heiligabend saß ich wieder hier, allein, voller Trauer und zudem wieder mit diesen Gedanken "keiner mag dich, keiner akzeptiert dich, keiner denkt an dich, du bist ein Noname und nur unerwünschter Dreck". Plötzlich klopfte es an meiner Haustür. Die Klingel habe ich abgesellt, weil mich dieser Ton endlos nervte. Vor der Tür stand eine Bekannte. Sie könnte meine Mutter sein. Ihr habe ich schon vieles erzählt und anvertraut, denn auch sie ist jemand mit Einfühlungsvermögen und Verständnis. Sie ist aber auch ehrlich und sagt, wenn sie etwas nicht nachempfinden kann.

Jedenfalls stand sie da und brachte mir einige Dinge für Weihnachten. Am meisten habe ich mich jedoch darüber gefreut, dass es doch jemanden, außer meiner erstgenannten besten Freundin, gibt, der an mich dachte. Und gerade in diesem Augenblick hat es mir so sehr geholfen, auch unser langes Gespräch. Unter anderem überreichte sie mir eine Kerze, welche sie selbst "Kerze des Friedens" nannte sowie ein Gedicht über den Frieden. Ich bin nun dabei, ihr eine Kerze zu gestalten, denn dieses ist unter anderem seit einigen Monaten eines meiner Hobbies. Ich werde ihr auf die "Kerze des Friedens" mit einer schönen, individuellen "Kerze der Freundschaft" antworten und ihr ebenfalls ein Gedicht, welches ich zu meiner Berufsschulzeit veröffentlichte und damit den ersten Platz belegte, schrieb. Auch meines handelt von Krieg, Gewalt, Fieden, Glaube und Hoffnung.

Sie versteht, obwohl sie nicht zu den Betroffenen zählt, was in einem Menschen mit BPS vorgeht, wie diese innere Zerrissenheit, dieser abgrundtiefe Selbsthass sich so oft Bahn brechen und einen durchdrehen lassen. Und sie versteht auch, dass ich, wenn ich wieder einmal meine Phasen der Selbstzerstörungswut habe, meinen Sarkasmus. Dieser ist für mich ein Ventil. Dampf ablassen. Seinen Selbsthass und seinen selbstzerstörerischen Phantasien freien Lauf lassen dürfen.

 Es ist tatsächlich so. Entweder fügt man sich Verletzungen zu und ist schneller mit den Nerven runter, als mit irgendwelchen Medis, oder aber, so es einem liegt, man tobt sich im Sarkasmus aus. Wo andere irritiert sind, tut es mir gut, mich so richtig niederzumachen. Aber eigentlich mache ich mich nicht nieder, werte mich nicht ab, sondern bringe einfach nur die Wahrheit zum Ausdruck.

Jedenfalls kann ich solche Menschen, die einen verstehen und reden lassen, die an einen denken, für einen da sind, als Freund/-in bezeichnen. Und letztes Jahr habe ich eine Freundin dazu gewonnen, wofür ich sehr dankbar bin, denn ich kann mir durchaus ihre Worte und Ratschläge annehmen und denke darüber nach.

Ich wünsche vielen anderen, dass auch sie einen wirklichen Freund haben, der oder die zu einem steht, denn wahre Freunde erkennt man nur, wenn man in Not gerät und sie dann trotz allem oder gerade deswegen zu einem stehen.

von supergau - veröffentlicht in: Freundschaft
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Monday, 5. january 2009 1 05 /01 /Jan. /2009 20:46
Als solches fühle ich mich. Weil man stigmatisiert wird, weil man vielleicht anders ist, anders denkt und sich anders verhält als andere. Dass jedoch oft andere dieses Anderssein verursacht haben, darüber scheint niemand nachzudenken. Diejenigen, die ihren Teil mit dazu beigetragen haben, dass man heute "so" ist, sie werden nicht diskriminiert, im Gegenteil. Mit diesem Paradoxum komme ich nicht klar.

Wenn ich mich selbst verletze, soll es falsch sein. Hingegen sind die Verletzungen - ob psychisch oder physisch -, die andere einem ein Leben lang zugefügt haben und immer wieder zufügen, legitim? Wo ist dabei die Logik?

Natürlich, ich lege "Schwarz-Weiß-Denken" an den Tag, habe ein nicht unerhebliches Aggressionspotential.  Es stimmt ja auch beides. Jedoch richten sich meine Aggressionen ausschließlich gegen mich selbst. Ich habe Konflikte noch niemals mit Handgreiflichkeiten ausgetragen, im Gegenteil, eher bekam ich eine oder mehrere ab. Und wieso wird mir aggressives Verhalten vorgeworfen, wenn ich lediglich meine Grenzen aufzeige und deutlich sage, dass ich es nicht mag, begründetermaßen, wenn man mich anfasst. Und einer, dem angeblich etwas an mir liegt, ihm sage ich dieses und keine fünf Minuten später will er genau das tun, wovor mir graut. Was ist das für ein Verständnis von dieser so genannten "Liebe"? Indem ich genau das zu tun versuche, was bei dem angeblich von mir ach so geliebte Menschen den blanken Horror auslöst? Nur, weil ich nein sage, ist dieses Zurückweisen schon als Aggression zu interpretieren?

Ja, ich habe Probleme - und Betroffene werden wissen, was ich meine und wovon ich rede. Willkommen im Club. "Wir" sind "Therapeutenkiller", nicht therapierbar. Klasse. Diese Érfahrung musste ich auch machen. Ich bin endgültig therapiert von sämtlichen Therapien und Therapeuten, denn irgendwie scheinen die auch eine ewig depressive oder andersartige Grundstimmung zu haben. Vielleicht überträgt sich was auf sie durch ihre jahrelange Arbeit, keine Ahnung. Ich stieß auf wenig Gegenliebe, weil ich nun einmal nicht mehr zu allem ja und amen sage, mir endgültig nicht mehr Dinge gefallen lasse, die ich nicht mag. Es war auch ein "Regelverstoß" meinerseits, dass ich nicht die Laborratte spiele und ohne mich zu informieren sämtliche Pillen kommentarlos einwerfe.

Borderline - tolle Diagnose, tolle Aussichten. Kein Außenstehender kann auch nur annähernd nachempfinden, wie es ist, ein ganzes besch***** Leben lang von Angst und Panik, von Druck und Unruhe, von irrsinnigen Problemen im menschlichen "Miteinander" begleitet zu sein. Ich kann ja verstehen, dass gerade Autoaggressionen und SVV auf andere befremdend wirken muss. Aber ich kann nicht verstehen, dass man einen dann nicht einfach in Ruhe lassen kann, sondern dummes Zeug über einen und nicht MIT einem redet, und hierdurch erneut dieses Verhalten regelrecht provoziert.

Mir sagte eine gute Bekannte, ich solle einfach alles wegdenken. Na toller Rat, um den ich nicht mal gefragt habe. Wie soll man bitteschön die Vergangenheit, Panik, Phobien und all die Begleitfaktoren einfach "wegdenken"? Das funktioniert so nicht. Ich sage offen, was ich denke, was ich von wem halte, ohne beleidigend oder ausfällig zu werden, und ich mache auch keinen Hehl daraus, dass mir das Leben insgesamt sonstwo vorbeigeht. Aber genau diese Offenheit stößt auf wenig Gegenliebe. Ja, wer ist denn nun irre? Natürlich ich, die jedem gegenüber einfach nur ehrlich begegnet und nicht Sympathie vorgaukelt, wo keine ist und der auch keiner nachreden kann, dass sie über andere redet, geschweige denn, sie bei anderen schlecht macht. Wenn das die Norm ist, dann kann ich darauf gut und gerne verzichten.

Ich wünsche keinem, diesen inneren Druck, innere Leere, Panik vor allem und jedem zu haben. Was für andere ganz normal ist, stellt andere vor immense Probleme. Wieso verpeilt das eigentlich jeder? Wie kann eine "Freundin" auf die irre Schnapsidee kommen, mich in einen Aufzug zu zerren, wovor ich auch wahnsinnige Panik schiebe? Natürlich löste das eine Panikattacke vom feinsten aus, das ganze Programm. Sie war selbst erschrocken. Die Entschuldigung habe ich angenommen, aber dieser eine Augenblick hat genügt, um dann wieder die Ängste hervorzukramen, welche ich wenigstens aus eigener Kraft teilweise "besiegt" hatte.

Es ist schon ziemlich merkwürdig, dass Pädophile ein Podium bekommen, Hilfe erhalten, Verständnis erfahren. Ihre Opfer jedoch, die früher oder später an dem, was sie ihnen angetan haben, nahezu zugrunde gehen oder einfach durchknallen, werden diskriminiert, am liebsten weggeschlossen wegen Selbstgefährdung. Meines Erachtens sollten sie lieber die Täter wegen Fremdgefährdung wegsperren, denn ohne sie gäbe es viel weniger "Selbstgefährdete". 

Aber *psst*, selbst den Gedanken daran, dass man am liebsten freiwillig die Tür zum Nirvana aufstoßen würde, darf man nicht äußern. Dann vollzieht man im Crashtempo einen Standortwechsel und findet sich in einer Irrenanstalt wieder, wird weggesperrt. Droht man hingegen damit, anderen Gewalt anzutun, passiert gar nichts, sofern man nicht bereits vorbestraft ist o.ä.

Wenn das alles gerecht sein soll, was ist dann ungerecht? Und wenn all dies die "Normalität" repräsentiert, dann bleibe ich allerdings lieber im Club der Bekloppten.


von supergau - veröffentlicht in: Gesellschaft
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