Nein, dieses ist ganz gewiss weder meine eigene Einstellung noch eine meiner Wortkreationen, sondern ein Filmtitel. Ein
alter Schwarz-Weiß-Film, in welchem James Stewart den Hauptdarsteller mimt.
Ort der Handlung ist ein verschlafenes Nest mit dem hübsch und gemütlich klingenden Namen "Bedford Falls", Zeitpunkt ist
der Weihnachtsabend. Doch so verschlafen wie diese Kleinstadt ist, so gläubig sind auch ihre Einwohner, denn aus den Häusern sind inständige Gebete wahrzunehmen, dass Gott doch George Bailey
beistehen möge. Wie nun manches fast Unmögliche in Filmen möglich wird, wird diesem auch hier Rechnung gezollt, denn zwei himmlische Kräfte, welche durch zwei Galaxien, welche sich unterhalten,
schnappen diese tiefgläubigen und flehenden Worte auf und fangen an, sich gemeinsam zu beraten, was zu tun sei. Die erste wichtige Maßnahme ist: es muss unbedingt ein Engel her. Da gibt es einen,
doch der ist ziemlich tollpatschig, flügellos und trägt den Namen Clarence. Er tümpelt zunächst noch als hellleuchtender Stern durch die Galaxien, doch dann tritt man mit einer Aufgabe an ihn
heran, für welche ihm lediglich eine Stunde Zeit bleibt, um sich derer auch anzunehmen. Doch bevorher zur Handlung überschreiten kann, muss er genauestens über das Leben George Baileys aufgeklärt
werden, denn wie sonst könnte er ihm anders helfen?
Dann beginnt der eigentliche Film. Bailey brilliert bereits in früher Kindheit mit Erstaunlichem, das wichtigste Ereignis
dürfte gewesen sein, dass er seinem jüngeren Bruder Harry das Leben rettet. Dieser war im Eis eingebrochen, George verlor sein Hörvermögen auf seinem linken Ohr.
Als junger Erwachsener arbeitet Bailey im Büro seines Vaters. Beide verhelfen ärmeren Bürgern in Form von
Darlehen zum Traum vom eigenen Häuschen. Aber eines Tages möchte Bailey endlich seine Heimat verlassen, um ein Studium aufzunehmen. Vor der Abreise besucht er die Abschlussfeier seines Bruders
Harry und trifft dort Mary Hatch, eine bis dahin alte Bekannte, wieder. Sie kommen sich näher und flirten, was das Zeug hält. Im Stadium der liebestollsten Euphorie wird George von einem
Bekannten die Nachricht übermittelt, dass sein Vater einen Schlaganfall erlitten habe. Am Tag darauf stirbt sein geliebter Vater. Da er der Präsident der "Building And Loan", der ortsansässigen
Bausparkasse, war, beruft der Vorstand eine Sitzung ein und beschließt das Fortbestehen der Bank mit George Bailay als Präsidenten. George bringt schweren Herzen das Opfer und statt seiner geht
nun Bruder Harry studieren.
Die folgenden Jahre verlaufen recht unspektakulär, Harry kehrt irgendwann verheiratet zurück und George
heiratet Mary, Kinder vervollständigen der beiden Glückseligkeit. Doch dann naht die Wirtschaftskrise, von welcher auch "Building and Loan" betroffen ist. Im Flug verbreiten sich
Gerüchte, die Bank stünde kurz vor dem Bankrott. Aufgrund dessen fordern sämtliche Anleger ihr Geld zurück´mit der Drohung, dass sie anderenfalls ihre Anlageaktien an den reichsten und
profitgierigsten Mann der Stadt, Mr. Potter, verkaufen würden. Genau dieses war immer Mr. Potters Ziel und würde dieser Fall eintreten, hätte er die Bank "geschluckt". Also bleibt George nichts
anderes übrig, als dem Vorschlag seiner Frau Mary nachzugeben und sein eigenes Kapital anzugreifen. Hierdurch müssen beide auch auf eine Hochzeitsreise verzichten. Die Bank konnte gerettet
werden.
Es gehen viele Jahre ins Land, und inzwischen Leben George und Mary mit ihren vier Kindern in einem alten Haus, welches
Mary eigens für ihre Lieben hergerichtet hat. In den Jahren ereignet sich sehr vieles, wie auch der Zweite Weltkrieg, aus welchem auf allen Seiten Verlierer und Gewinner, Täter und Opfer,
hervorgehen. Dann kommt der 24. Dezember, Heiligabend. An disem Abend geschieht George ein Missgeschick, welches ihn endgültig am Sinn seines eigenen Lebens zweifeln lässt und ihn sogar fast zum
Selbstmord treibt. Der stets etwas verwirrte Onkel Billy soll zur Einzahlung 8000 Dollar zu Bank bringen, verliert das Geld jedoch, und dieses ausgerechnet noch vor den Augen des gierigen und
hartherzigen Mister Potters. Denn dieser steckt das gefundene Geldbündel ein und behält es für sich. Infolge dessen, dass die Rechnung nicht gezahlt werden kann, droht der "Building And Loan" das
endgültige Aus. Hinzu kommt, dass sich ausgerechnet noch für diesen Tag ein Bankprüfer angemeldet hat.
George ist somit am Tiefpunkt seiner Existenz angekommen und geht noch am selben Abend völlig verzweifelt zu Mister Potter
und bittet ihn um das Geld, um die Bank zu retten. Als Sicherheit bietet er Potter seine Lebensversicherung an. Auf diese sind jedoch lediglich 500 Dollar eingezahlt. Auf seine gewohnte
unhöfliche und schroffe Art weist Potter ihn mit den Worten: "Sie sind ja tot mehr wert als lebendig," ab. George ist zutiefst deprimiert und sucht die Bar Martinis auf. Dort sendet er einige
Stoßgebete zu Gott, aber anstatt, dass sich alles noch einmal zum Guten wendet, schlägt ihn einen kurzen Moment später ein Mann nieder, dessen Frau George in seinem innerlichen aufgewühlten
Zustand beleidigt hatte.
Auf dem Nachhauseweg fährt George gegen einen Baum, bleibt unverletzt und sucht eine nahe gelegene Brücke auf, von welcher
er hinunter springen will. Doch im gleichen Moment fällt, wie aus dem Nichts, ein älterer Mann unter der Brücke in den Fluss. Der uneigennützige und stets nächstenliebende George rettet den alten
Mann, welcher behauptet, er sei in Wahrheit der Schutzengel von George und dass nicht George ihn, sondern er eigentlich George gerettet hätte. "Ich bin die Antwort auf dein Gebet. Deshalb
wurde ich runtergeschickt." Natürlich schenkt George ihm zunächst nicht den geringsten Glauben und bereut sogar, dass er geboren wurde: "Ich wünschte, ich wär' nicht geboren."
Das waren wohl die richtigen Worte, denn Schutzengel Clarence erfüllt George diesen Wunsch und zeigt ihm haargenau auf, wie
das Leben ausgesehen hätte, wenn es George nicht gegeben hätte: Mary, seine geliebte Ehefrau, wäre zu einer alten Jungfer geworfen und die vier gemeinsamen Kinder würden gar nicht existieren. Der
frühere Chef von George, Mr. Gower, hätte zwanzig Jahre im Gefängnis absitzen müssen, da er versehentlich einem JJungen in die Tabletten Gift getan hat, was George verhinderte. Harry, sein
Bruder, hätte als Soldat nicht so viele Leben retten können, da er, weil es George ja nie gegeben hätte, im Eis ertrunken wäre. Und ein Mädchen namens Violet verdient sich nun seinen
Lebensunterhalt in einem billigen Striplokal, da es George, der ihr einmal mit Geld ausgeholfen hat, ja nicht gab.
Bedford Falls wäre aus einem Sumpf von Striplokalen und Spielhöllen verkommen, und Bailey Park, ein Wohngebiet, welches George für arme Leute gegründet hatte, würde nicht existieren.
Als George dies alles sieht, wird ihm einiges bewusst und somit bereut er seinen Wunsch, und will wieder zurück ins Leben. Hiermit ist es Clarence, dem Engel, gelungen, seine Aufgabe zu erfüllen
und er stellt den ursprünglichen Zustand wieder her. Plötzlich ist George glücklich und euphorisch, reut sich über seine zurück gewonnene Existenz und dass alles wieder so ist, wie es war. Er
kehrt zu seiner besorgten Familie zurück und wünscht auf dem Nachhauseweg allen Bewohnern "fröhliche Weihnachten".
Zuhause angekommen, wartet auf ihn die nächste Überraschung: Alle Verwandten und Freunde haben sich zusammen getan, um Bailey das benötigte Geld zu spenden.
Als ein Glöckchen klingelt, erinnert Georges kleine Tochter Zuzu: "Und jedes Mal, wenn ein Glöckchen klingelt, bekommt ein Engel seine Flügel." Dieses bedeutet für George, dass Engel Clarance
seine Arbeit getan hat, verschwunden ist und die ersehnten Flügel endlich erhalten hat.
So viel zum Inhalt dieses Films. Warum ich darauf komme, dieses hier zu schreiben?
Nun, ess hat eine merkwürdige Bewandnis...
Im Jahr 2002 beging ich (nicht den ersten und nicht den letzten) Suizidversuch, dieser war "massiv", wie die "Leute vom Fach" immer wieder betonten. Ich wurde kurzerhand eingesperrt, was man
einfach als "Selbstschutz" deklarierte. Vorneweg noch die Anmerkung: ich habe damals niemanderen tangiert, bedroht oder geschädigt. Das würde und werde ich niemals tun.
Also saß ich insgesamt zwei Monate meinen staatlich verordneten Zwangsurlaub ab und geriet in ein noch tieferes Loch. Als ich entlassen wurde, begann ich, mir nachts im Schlafzimmer das Fernsehen
anzumachen, um mich zu beruhigen und besser schlafen zu können. Auch ich vertrat und vertrete genau die Meinung: "hätte es mich doch niemals gegeben, wäre ich doch niemals geboren worden." Ich
hielt dieses meiner Mutter zigfach vor, auch mit teils recht bösen, auf mich bezogene, Worten. Eines nachts stand ich kurz davor, mir das Leben zu nehmen. Ich bekam ja genügend Pillen
verschrieben, die ich jedoch nie einnahm, sondern stets bunkerte, für den Notfall... Wieder kamen diese quälenden Gedanken, dass ohne mich alles besser sei. Ich will weg, nur noch weg, alle
anderen von mir erlösen und mich selbst von mir erlösen und dieser Drang wurde immer stärker. Also legte ich mich zuerst einmal ins Bett, um noch einmal darüber nachzudenken und schaltete das
Fernsehen ein. Und ich schaltete, ohne das Programm zu kennen, genau den Kanal ein, auf welchem mitten in der Nacht dieser Film lief: "Ist das Leben nicht schön?"
Am einprägsamsten war für mich die Szene, als George und Clarence über den Friedhof liefen und George plötzlich auf den Grabstein seines jüngeren Bruders Harry stieß. Er fragte Clarance, wie das
möglich sei, es sei doch Quatsch, Harry sei doch am leben. Und Clarance antwortete ihm daraufhin, dass George noch nicht geboren wurde, also musste Harry eben als Kind ertrinken, weil es keinen
großen Bruder gab, der ihn gerettet hätte.
In dieser Nacht wurde ich nachdenklich. Und irgendwoher kam dieser innere Frieden, welchen man bei einer solch fatalen inneren Zerrissenheit herbeisehnt. Ich schob meine Tabletten und mein
Vorhaben bei Seite und konnte sogar schlafen.
Nicht, dass ich mittlerweile anders denke, ich bin immer noch der Meinung, dass diese Welt besser dran wäre, wenn meine Mutter sich ihr zweites Wunschkind verkniffen hätte. Aber andere Mensche,
die mir lieb und wert sind, halte ich von solchen Gedanken und dem Tun ab, und erzähle ihnen auch gerne von dem Film und zeige ihnen Parallelen zu ihrem eigenen Leben auf. Und wenn es einer oder
eine ist, den oder die ich hiervon abhalten kann, ist es mir alle Mühe wert.