Tuesday, 6. january 2009 2 06 /01 /Jan. /2009 01:39

Mit Begriffen wie "Freundschaft" und "Liebe" gehe ich sehr sparsam um. Nicht jeder, den oder die ich kenne (wobei: kennt man sein Gegenüber wirklich?), bezeichne ich gleich und unbedacht als Freund oder Freundin.

Nun, wie ich in einem anderen Beitrag schrieb, lebe ich ziemlich zurückgezogen, und fühle mich dabei sogar wohl, weil ich mir das Alleinsein selbst ausgewählt habe.

Jedoch - aufgrund der Tatsache, dass ich praktisch keine Familie mehr habe, was mir sehr zu schaffen macht - sind Tage wie Weihnachten, Silvester, immer wieder folgende "Gedenktage" schlimme Tage. Es war dieses Jahr das zweite Weihnachten, ohne Familie. Allein. Bis auf meine beste Freundin, die diesen "Titel" mehr als verdient, denn sie war bisher die einzige, die mich so  nimmt, wie ich bin, und für manche meiner Verhaltensweisen Verständnis aufbringt, was auf Gegenseitigkeit beruht.

Und plötzlich gibt es da noch einen anderen Menschen. Einen Tag vor Heiligabend saß ich wieder hier, allein, voller Trauer und zudem wieder mit diesen Gedanken "keiner mag dich, keiner akzeptiert dich, keiner denkt an dich, du bist ein Noname und nur unerwünschter Dreck". Plötzlich klopfte es an meiner Haustür. Die Klingel habe ich abgesellt, weil mich dieser Ton endlos nervte. Vor der Tür stand eine Bekannte. Sie könnte meine Mutter sein. Ihr habe ich schon vieles erzählt und anvertraut, denn auch sie ist jemand mit Einfühlungsvermögen und Verständnis. Sie ist aber auch ehrlich und sagt, wenn sie etwas nicht nachempfinden kann.

Jedenfalls stand sie da und brachte mir einige Dinge für Weihnachten. Am meisten habe ich mich jedoch darüber gefreut, dass es doch jemanden, außer meiner erstgenannten besten Freundin, gibt, der an mich dachte. Und gerade in diesem Augenblick hat es mir so sehr geholfen, auch unser langes Gespräch. Unter anderem überreichte sie mir eine Kerze, welche sie selbst "Kerze des Friedens" nannte sowie ein Gedicht über den Frieden. Ich bin nun dabei, ihr eine Kerze zu gestalten, denn dieses ist unter anderem seit einigen Monaten eines meiner Hobbies. Ich werde ihr auf die "Kerze des Friedens" mit einer schönen, individuellen "Kerze der Freundschaft" antworten und ihr ebenfalls ein Gedicht, welches ich zu meiner Berufsschulzeit veröffentlichte und damit den ersten Platz belegte, schrieb. Auch meines handelt von Krieg, Gewalt, Fieden, Glaube und Hoffnung.

Sie versteht, obwohl sie nicht zu den Betroffenen zählt, was in einem Menschen mit BPS vorgeht, wie diese innere Zerrissenheit, dieser abgrundtiefe Selbsthass sich so oft Bahn brechen und einen durchdrehen lassen. Und sie versteht auch, dass ich, wenn ich wieder einmal meine Phasen der Selbstzerstörungswut habe, meinen Sarkasmus. Dieser ist für mich ein Ventil. Dampf ablassen. Seinen Selbsthass und seinen selbstzerstörerischen Phantasien freien Lauf lassen dürfen.

 Es ist tatsächlich so. Entweder fügt man sich Verletzungen zu und ist schneller mit den Nerven runter, als mit irgendwelchen Medis, oder aber, so es einem liegt, man tobt sich im Sarkasmus aus. Wo andere irritiert sind, tut es mir gut, mich so richtig niederzumachen. Aber eigentlich mache ich mich nicht nieder, werte mich nicht ab, sondern bringe einfach nur die Wahrheit zum Ausdruck.

Jedenfalls kann ich solche Menschen, die einen verstehen und reden lassen, die an einen denken, für einen da sind, als Freund/-in bezeichnen. Und letztes Jahr habe ich eine Freundin dazu gewonnen, wofür ich sehr dankbar bin, denn ich kann mir durchaus ihre Worte und Ratschläge annehmen und denke darüber nach.

Ich wünsche vielen anderen, dass auch sie einen wirklichen Freund haben, der oder die zu einem steht, denn wahre Freunde erkennt man nur, wenn man in Not gerät und sie dann trotz allem oder gerade deswegen zu einem stehen.

von supergau - veröffentlicht in: Freundschaft
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